Tagebau mit mehreren Artenschutzflächen 

Am Anfang stand die Frage: 
Wie setze ich die gesetzlichen Anforderungen aus der Genehmigung für verschiedene Arten um?

Es began mit einer Artenschutzfläche, die schlicht dieser gesetzlichen Pflicht diente – Ausgleichsflächen für typische Tagebauarten zu schaffen. 

Daraus wurde mehr: 
Im Zuge der weiteren Gewinnung entstanden freiwillig Schritt für Schritt zusätzliche Flächen (insgesamt 4 aktuell).

Schritt 1:
Was sind die Zielarten?

Im Rahmen des gesetzlichen Artenschutzes mussten vor allem die folgenden Arten berücksichtigt werden:

  • Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe)
  • Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)
  • Wechselkröte (Bufotes viridis)
  • Uferschwalbe (Riparia riparia)

Schritt 2:
Einzel- oder Kombi-Maßnahme?

Abgesehen von der Uferschwalbe, die Steilwände aus grabbaren Material für ihre Brutröhren benötigt, haben die anderen drei Arten zum Teil überlappende Ansprüche aus den Bereichen:

  • Rohboden / Fläche wenig Vegetation
  • Steine/ Steinhaufen
  • Wasser/ Wassernähe

Anstatt also Einzelmaßnahmen umzusetzen, wurde eine ca 3 Hektar große Fläche mit den folgenden Elementen gestaltet:

  • Kleingewässer
  • Steinhaufen
  • Rohbodenfläche

Zum Schutz der vor Ort brütenden Uferschwalben wurden Steilwände vor der Brutsaison 

  • geschaffen 
  • alte optimiert
  • oder Abschnitte abgeschrägt (als Vermeidungsmaßnahme)

Schritt 3:
Pflege oder Neuanlage?

Die erste Artenschutzfläche war für 3-5 Jahre Dauer angesetzt. Die zunehmende Sukzession (vor allem mit Weiden, Schilf und Rohrkolben) veränderte die Fläche ab dem 3. Jahr drastisch.

Für die drei Zielarten funktionierte sie noch, hinzu kam die Eignung einiger nun "grünerer" Kleingewässer für die Knoblauchkröte.

Die Überlegung, die Fläche "auf Null zurückzusetzen" wurde verworfen - mit Großgerät würden Amphibien gefährdet.

Also wurde eine neue Fläche entwickelt, auf der die Sukzession wieder bei Null beginnt und die wiederum die notwendigen "Bauteile" enthalten sollte:

  • Kleingewässer
  • Steinhaufen
  • Rohboden

Sie erinnerte aus der Vogelperspektive noch mehr an einen Abschnitt aus einem Wildfluss mit den entsprechenden Komponenten.

Die Zielarten

Ein Tagebau stellt einen idealen Ersatzlebensraum für Arten der unregulierten Flussläufe bzw. vegetationsarmer Offenländer dar.

Uferschwalbe

Dieser Koloniebrüter benötigt Steilwände, um seine Brutröhren zu graben. 

Es ist unsere kleinste Schwalbenart, die gerne über den Gewässern nach Insekten jagt.

Bevorzugt werden Ausrichtungen der Wände i.d.R. nach SÜden oder Südosten, oft werden aber auch anders ausgerichtete geeignete Wände genutzt. 

Flussregenpfeifer

Diese Art ist an das Leben auf kiesigen Rohbodenflächen in Gewässernähe hervorragend angepasst: 

Sowohl die Tarnung der Alttiere, als auch die von Gelege und Küken ist exakt auf diesen Untergrund abgestimmt.

Wechselkröte

Eine typische Pionierart, die auf vegetationsfreie Laichgewässer angewiesen ist, die sich rasch erwärmen und zudem frei von Predatoren sind.

Solche temporären Kleingewässer entstehen in Tagebauen regelmässig bzw. lassen sich leicht anlegen.

Steinschmätzer

Eine in Duetschland vom Aussterben bedrohte Vogelart des Offenlandes, der sein Nest bodennah in Steinhaufen anlegt.

Eine Fläche mit passenden Elementen für mehrere Zielarten

Anstatt jeweils einzelne Maßnahmen für einzelne Arten umzusetzen, haben wir uns entschieden, eine rund 3 Hektar große Fläche mit den folgenden Elementen zu gestalten:

  • mehrere Kleingewässer und Grabenstruktur
  • verschiedene Steinhaufen
  • viel (kiesiger) Rohboden auf der gesamten Fläche

Die Wechselkröte profitiert dabei von der relativ offenen, vegetationsarmen Fläche, mehreren unterschiedlichen Laichgewässern sowie zahlreichen Versteckmöglichkeiten (gerade auch für die an Land gehenden Jungkröten).

Der Flussregenpfeifer nutzt die Rohbodenflächen in Gewässernähe für die Eiablage sowie als Jagdrevier.

Die zahlreichen Steinhaufen und größeren Steine bieten für den Steinschmätzer ideale Rufwarten und Nistmöglichkeiten.

Pflege oder Neuanlage?

Die erste Artenschutzfläche war für 3-5 Jahre Dauer angesetzt. Die zunehmende Sukzession (vor allem mit Weiden, Schilf und Rohrkolben) veränderte die Fläche ab dem 3. Jahr drastisch.

Für die drei Zielarten funktionierte sie noch, hinzu kam die Eignung einiger nun "grünerer" Kleingewässer für die Knoblauchkröte.

Die Überlegung, die Fläche "auf Null zurückzusetzen" wurde verworfen - mit Großgerät würden Amphibien gefährdet.

Also wurde eine neue Fläche entwickelt, auf der die Sukzession wieder bei Null beginnt und die wiederum die notwendigen "Bauteile" enthalten sollte:

  • Kleingewässer
  • Steinhaufen
  • Rohboden

Sie erinnerte aus der Vogelperspektive noch mehr an einen Abschnitt aus einem Wildfluss mit den entsprechenden Komponenten.

Artenschutzfläche Nr. 2 aus der Vogelperspektive

Platz vorausgesetzt, hat man in einem Tagebau zahlreiche Möglichkeiten, aktiv Artenschutz zu betreiben und über das gesetzlich vorgeschriebene hinauszugehen.

Die Natur als Vorlage: 
Ein Wildfluss in den Alpen

Primärlebensräume sind inzwischen Mangelware, so dass Arten mit entsprechenden Ansprüchen oft in Tagebauen & Steinbrüchen anzutreffen sind.

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